Leinefelde: Zusammenfassung zu den Ereignissen am 3. September

Gegendemonstration mit bis zu 300 Teilnehmern, Statt angekündigte 1500 NeoNazis nur rund 150, Personalienfeststellung auf dem Rückweg zum Bahnhof, mehr als ein Zeichen setzen war an diesem Tag nicht drin.

Schon am frühen Morgen glich Leinefelde einer Festung. Unzählige Polizeifahrzeuge postierten sich an allen Kreuzungen und Einfahrten in der ganzen Stadt. Die Neonazis um Thorsten Heise fingen früh an ihre Technik aufzubauen, dies konnten sie ungestört im Schutze der Polizei durchführen. Anders als angenommen bauten sie aber nicht auf dem eigentlichen Sportplatz auf, sondern auf einer viel kleineren Fläche daneben. Wo da wohl bis zu 1500 NeoNazis Platz finden sollen?

Gegen Mittag kamen dann auch die ersten GegendemonstrantInnen nach Leinefelde, diese versammelten sich vor dem Bahnhofsgebäude, der Platz war mit Hamburger Gittern abgesperrt.
Bis 14 Uhr konnten schon mehr als 200 Menschen gezählt werden. Etwa 40 davon kamen aus der Antifa-Szene.

Kurz nach 14 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung, An der Spitze der Demo liefen das Bündnis 3.9. mit dem Banner „Kein Sportplatz für Nazis“. Der Antifa-Block reihte sich ganz hinten ein. Nach anfänglichen Problemen mit dem Lauti der Antifa, schloss dieser sich erst nach einigen hundert Metern an. Dort musste allerdings der Lauti des DGB wegen einem Problem die Ausfahrt nehmen, Der Demonstrationszug verlief erst über die Birkunger Straße und dann durch die Südstadt vorbei an den für den Osten typischen Neubau-Blocks bis zum Sportplatz an dem sich die Neonazis versammelten. Hier wurden mehrere Redebeiträge unter anderem von der Anarchosyndikalistischen Jugend Göttingen und des DGB gehalten. Nach dieser Zwischenkundgebung ging es dann zur Abschlusskundgebung in den Lunapark. Dort sprachen unter anderem der Landrat, Der Oberbürgermeister der Stadt Leinefelde und Vertreter der Kirchen. Dieses Programm war aber eher langweilig, sodass die meisten jungen DemonstrantInnen schnell wieder hier weg wollten.

Um den TeilnehmerInnen eine sichere Abreise zu ermöglichen, wurde eine Spontandemo, nochmals vorbei am Sportplatz und dann Richtung Bahnhof angemeldet, diese wurde allerdings verboten. Ebenfalls verboten wurde eine Protest-Demonstration gegen dieses Verbot. Somit mussten die Antifaschisten ohne angemeldete Demonstration zurück zum Bahnhof. Auf dem Rückweg gab es keine Polizeibegleitung, wegen der großen Anzahl der Menschen wurde allerdings eine befahrene Straße komplett eingenommen. Kurz darauf erschienen mehrere Einsatzwagen der Polizei und lieferten sich an einer Kreuzung, eine Rangelei mit der Antifa. Danach ging es im Spalier noch bis in die Bahnhofstraße, wo die Polizei alle Menschen kesselte. Nach nur wenigen Minuten war die komplette Straße mit Einsatzwagen zu geparkt. Ein Einsatzwagen rammte dabei ein Schild. Aus einem Lautsprecherwagen der Polizei wurde eine Personalienfeststellung angekündigt und es wurde mit einer Ordnungswidrigkeitsanzeige gedroht. Nach und nach wurden die Menschen aus dem Kessel gelassen und durften nach dem sie ihren Ausweis vorgezeigt hatten gehen. Die meisten GegendemonstrantInnen fuhren dann mit der Bahn wieder nach Hause, einige wenige blieben noch in der Stadt.

Zum gleichen Zeitpunkt wird wohl bei den Neonazis die große Ernüchterung eingetreten sein, lediglich etwa 130 Nasen wurden bis zum späten Nachmittag gezählt. Wie viele Rechtsextreme am Abend noch gekommen sind, wurde noch nicht offiziell bestätigt. Man kann aber davon ausgehen, dass der von Thorsten Heise großspurig angekündigte „Heimattag“ zum finanziellen Desaster wurde. „Die Lunikoff Verschwörung“ sagte ihren Auftritt überraschender Weise ab. Dies dürfte einige Neonazis dazu bewegt haben, doch nicht nach Leinefelde zu fahren.

Erschreckend war und das muss auch noch gesagt werden, einige Bewohner haben es sich an den Wohnblöcken recht gemütlich gemacht, lauschten der Musik und tranken Bier. Man kann also davon ausgehen, dass in der Südstadt mehrere zumindest rechts-offene Menschen wohnen.
In einer kleinen Gruppe konnten wir am Abend in der Dunkelheit mit einer Gegen Nazis Flagge bis zu einer Polizeischleuse vordringen, dort hätte man uns sogar anfangs hinein gelassen, kurz darauf wollten die Polizei uns allerdings Platzverweise erteilen und wir mussten wieder gehen. Größere Neonazi-Gruppen waren zu der Zeit im Stadtgebiet nicht zu sehen.

Fazit: Mit mehr Menschen hätte man hier am frühen Morgen durchaus den Platz der Nasen besetzen oder die Zufahrtsstraßen blockieren können und somit das Fest eventuell verhindern oder zumindest massiv stören können. Heute war allerdings mehr als ein Zeichen setzen nicht drin. Falls sich Thorsten Heise im Stande fühlt solch ein Fest zu wiederholen, wovon wir nicht ausgehen, dann können wir auf etwas aufbauen und das nächste Mal mehr als nur ein Zeichen setzen.

Wir bedanken uns bei allen, die extra von weit her angereist sind. Ihr habt uns nicht alleine gelassen und das verdient Respekt,

Kein Fußbreit den Faschisten, egal ob Provinz oder Großstadt.

Antifa Eichsfeld


2 Antworten auf „Leinefelde: Zusammenfassung zu den Ereignissen am 3. September“


  1. 1 Bilder vom Tag 04. September 2011 um 17:52 Uhr
  2. 2 Hertam, Dieter 09. Februar 2012 um 20:16 Uhr

    Die positiven Erfahrungen des 3.September – gemeinsam über Parteiengrenzen hinweg und mit den Vertretern der Kirchen! gegen „Rechts“ etwas zu unternehmen – wiederbeleben, mit Feingefühl ausbauen und vor allem den „abwartenden Durchschnittsbürger hinter dem Fenster“ gewinnen.Über die Kreisgrenzen hinweg und vor allem friedlich – das sollte die Maxime für den 5.Mai werden! Die „Initiative….“ wird für Unterstützung in diesem Sinne dankbar sein.

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